„Bisher sehen wir noch keine wirklich erfolgreichen Produktionen, die ohne menschliche Sprecher:innen auskommen“

BookBeat-Deutschland-Chefin Kathrin Rüstig im Interview

Der Hörbuch-Streamingdienst BookBeat hat seinen Umsatz nach eigenen Angaben über alle Märkte im ersten Halbjahr 2026 währungsbereinigt um 13 Prozent gesteigert, wesentlicher Treiber sei der deutsche Markt gewesen. Wie lässt sich das erklären und welche weiteren Trends beobachtet die Plattform? Wir haben bei BookBeat-Deutschland-Geschäftsführerin Kathrin Rüstig nachgefragt.

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Published: 24.9.2026  |  Foto: BookBeat

Deutschland ist laut Ihren aktuellen Zahlen der stärkste Wachstumsmarkt der BookBeat-Gruppe. Worin unterscheidet sich der deutsche Markt derzeit von anderen europäischen Märkten?

Wir sehen tatsächlich unterschiedlich starke Wachstumsraten in den Ländern, in denen BookBeat operiert. Polen beispielsweise wächst zurzeit am schnellsten innerhalb der BookBeat-Gruppe. In Teilen kann das sicherlich auch durch die unterschiedliche „Maturity“ erklärt werden, damit meinen wir, wie stark Streaming bereits durchgesetzt ist in einem Markt. In den nordischen Ländern ist dies bereits weiter, als z.B. in Deutschland, wo Hörbuch-Streaming noch relativ jung und erst seit weniger als zehn Jahren ein breites Thema in der Branche ist. Und gleichzeitig trifft dieses relativ neue Thema Streaming auf die starke und traditionsreiche Hörbuch- und Hörspielkultur, die wir in Deutschland haben. Beides zusammen sorgt für ein starkes Wachstum.

Welche Faktoren treiben das Wachstum aktuell am stärksten? Gibt es bestimmte Genres oder Zielgruppen, die das Wachstum in Deutschland besonders befeuern?

Bei BookBeat beobachten wir seit vielen Jahren, dass die Zielgruppe der jungen Frauen unser Wachstum antreibt. Die Stichworte BookTok und Reading Clubs seien hier genannt – diese Bewegungen finden sich auch bei BookBeat und tatsächlich sehen wir viele der Bücher, die Kultstatus auf BookTok entwickeln, auch in den obersten Charts-Rängen bei uns. Das sind dann oft Romance- oder Romantasy-Themen, aber auch Romane sowie Sachbücher und Biographien, die sich sehr authentisch mit der gesellschaftlichen Lebensrealität der Zielgruppe beschäftigen.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit deutschen Verlagen in den vergangenen zwei bis drei Jahren verändert? Welche Erwartungen haben Verlage heute an einen Streamingdienst, die vor wenigen Jahren noch keine Rolle gespielt haben?

Ich glaube, dass Verlage sehr genau wissen, welche Daten und Auswertungen ihnen helfen können, verlegerische Entscheidungen zu treffen. Die Analysetools, die wir unseren Verlagspartnern z.B. über unser Publisher Portal anbieten und stetig weiter ausbauen, erlauben hochdifferenzierte Auswertungen, Informationen und Prognosen, die für die Vertriebsabteilung genauso wie für das Lektorat interessant und instruktiv sein können. Hinzu kommt aber weiterhin - und das ist mir auch wichtig zu sagen - wie immer auch das Quäntchen Glück und das gute Bauchgefühl der Lektor:innen bei der Auswahl der Stoffe, die als Hörbuch erscheinen!

Last, not least: Dass ein Streamingportal sich beständig auch hinsichtlich der App weiterentwickelt, neue sinnvolle Features anbietet, die den Bedürfnissen der Hörer:innen entgegenkommen, versteht sich eigentlich von selbst und ist sicherlich eine berechtigte Erwartung seitens der Verlage. Smarte Features zur möglichst guten Auffindbarkeit von Titeln, passende Empfehlungen für den eigenen, persönlichen Hörgeschmack, das individuell möglichst sinnvolle und ansprechende Aufbereiten des umfangreichen Katalogs – das sind essenzielle Themen, die ein Streamingdienst leisten muss.

Welche Einsatzmöglichkeiten für KI sehen Sie bei BookBeat in den kommenden Jahren – sowohl für Nutzerinnen und Nutzer als auch im Zusammenspiel mit Verlagen?

Wenn es um KI-Stimmen oder KI-generierte Texte geht: Sicherlich werden mehr und mehr Verlage in unterschiedlicher Intensität damit experimentieren. Bisher sehen wir noch keine wirklich erfolgreichen Produktionen, die ohne menschliche Sprecher:innen auskommen – zumal die beliebten deutschen Sprecher und Sprecherinnen einen großen Teil zum Erfolg eines Hörbuches beitragen. Da wäre ein Verlag häufig gar nicht so gut beraten, auf die zugkräftigen Namen der Sprecher:innen, die oftmals selbst eine treue Fanbase aufgebaut haben, zu verzichten. Dennoch mag es Hörbücher geben, die durch KI-Stimmen überhaupt erst produziert oder von KI in der Vertonung unterstützt werden. Für uns bei BookBeat gilt, dass wir dies unseren Kund:innen gegenüber transparent kommunizieren und dies entsprechend auch von den Verlagspartnern fordern. Wir haben im Zuge der KI-Diskussion auch eine Funktion in unserer App eingeführt, die unseren Kund:innen erlaubt, KI-vertonte Hörbücher aus den Suchergebnissen auszuschließen, wenn sie dies möchten. Grundsätzlich überlassen wir die Entscheidung, ob ein KI-Hörbuch gehört wird oder nicht, unseren Kund:innen.

Intern nutzen wir KI z.B., um den immens großen Hörbuch-Katalog immer besser aufzubereiten und jedem Kunden bzw. jeder Kundin möglichst individuell passend das nächste Hörerlebnis vorzuschlagen. Oder um Informationen, die für die Auswahl des nächsten Titels wichtig sein können, leichter verfügbar zu machen. Bei Titeln mit vielen Kund:innenrezensionen bieten wir z.B. eine kurze Zusammenfassung an, die die wichtigsten Aspekte aus den Rezensionen auf einen Blick erkennen lassen.

Der Hörbuchmarkt wächst weiterhin dynamisch. Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen – im Wettbewerb, bei der Content-Beschaffung oder bei der Kund:innengewinnung?

Was den Wettbewerb angeht, so sehen wir, dass eigentlich jeder neue, fair agierende Wettbewerber nur gut für das Wachstum des gesamten Hörbuchmarktes ist. Hörbuch ist längst nicht mehr ein Nischenphänomen, sondern ist zu einem Alltagsbegleiter für viele Menschen geworden – und diese Entwicklung geht weiter!

Beim Begriff „Content-Beschaffung“ zucke ich als Buchmensch etwas zusammen – ich glaube, dass es in der Buchbranche schon immer darum ging, spannende, informative, unterhaltende, bildende, inspirierende neue Autor:innen und Themen zu finden und dabei zu helfen, diese erfolgreich zu machen. Daran hat sich aus meiner Sicht auch in Streamingzeiten nichts Grundsätzliches geändert.


Kathrin Rüstig_GF_BookBeat

Kathrin Rüstig, Geschäftsführerin, betreut seit 2018 die Geschäfte der BookBeat GmbH. Zuvor war sie 13 Jahre in leitender Position bei der Audible GmbH tätig, davor leitete sie die Buchredaktion von Amazon.