Global denken, seriell veröffentlichen
Wie der neue Verlag Parkum den internationalen Hörbuchmarkt aufrollen will. Ein Projekt von Michael Treutler, Sebastian Fitzek und der Lauscherlounge
Ein neuer Hörbuchverlag – braucht es das wirklich noch? Für Michael Treutler ist die Antwort eindeutig. Parkum (Webseite) sei „das Ergebnis einer fast zwanzigjährigen Entwicklung“, sagt er. Der Anspruch: erfolgreiche Autorinnen und Autoren verschiedenster Sprachräume systematisch in globale Hörmärkte zu führen.
Vor rund einem Jahr ist der neue Verlag mit dem prominenten Gesellschafter Sebastian Fitzek und der Lauscherlounge an den Start gegangen und hat seitdem seine Strukturen aufgebaut.
Treutlers Motivation speist sich aus seiner langjährigen Tätigkeit bei Audible, wo er seit 2005 den deutschen Eigenproduktionsbereich mit aufbaute und später internationale Content-Teams verantwortete. Eine prägende Rolle spielte schon da die enge Zusammenarbeit mit Sebastian Fitzek, deren Beginn er rückblickend als „Start einer langen Reise und Innovationspartnerschaft“ beschreibt.
Aus dieser Erfahrung heraus entstand die Idee zu Parkum. „Die komplette Welt im Entertainment ist gebaut von der Sprache Englisch ausgehend mit anschließendem Transfer in alle anderen Sprachen“, erläutert Treutler. Sein Ansatz: Hörbuchstoffe von Beginn an international denken, produzieren und vermarkten. Parkum versteht sich daher als international ausgerichteter Hörverlag, der gezielt etablierte Autor:innen in neue Sprachräume begleitet. Zum Start zählen unter anderem Sebastian Fitzek, Michael Ende, Andreas Englisch und Nica Stevens zum Portfolio.
Global synchronisierte Veröffentlichungen geplant
Möglich machen die internationale Akquise, Produktion, Vertrieb und Marketing vor allem Partnernetzwerke, die aus den langjährigen Kontakten entstanden sind. Der Verlag setzt also nicht auf Außenstellen in verschiedenen Ländern, sondern auf die lokale Kompetenz vor Ort.
Langfristig schwebt ihm ein Modell mit global synchronisierten Veröffentlichungen vor. Noch verhinderten unterschiedliche Marktreife und Rechtekonstellationen diese Gleichzeitigkeit, denn für ein mehrsprachiges Modell braucht es gebündelte Audio- und Übersetzungsrechte – in der Praxis oft ein komplexes Geflecht aus Verlagen, Agenturen und Vorverträgen. Die Arbeit sei zwar „wahnsinnig frickelig“, so Treutler, aber essenziell, um das „Ticket Mehrsprachigkeit“ überhaupt einlösen zu können. Im Kern fokussiere man sich auf etablierte Autor:innen, die lokal bereits erfolgreich seien, aber „keine systematische Hilfe haben, international zu gehen“.
Im Unterschied zu punktuellen Lizenzvergaben setzt Parkum auf langfristigen Markenaufbau. Man denke in Serienlogiken, erklärt Treutler: Statt eines einzelnen Titels werde ein regelmäßiger Veröffentlichungsrhythmus etabliert – etwa im Zweimonatsabstand. Die Botschaft an die Hörer:innen laute: „Wenn du das magst, kommt in zwei Monaten der nächste.“ Ziel sei es nicht, sofort den deutschen Erfolg eins zu eins zu übertragen. „Das sind wirklich jahrelange Pläne“, sagt Treutler. Der internationale Markenaufbau funktioniere nur mit Kontinuität.
Vertrieben werden die Titel ausschließlich digital, denn besonders international spielt der physische Vertrieb auf Tonträgern längst keine Rolle mehr. Außerdem ließen sich nur so flexible Release-Strategien und internationale Rollouts realisieren.

Das Parkum-Team (v.l.): Kai Schenker (international Operations & Productions), Ashley Jones (Office Management), Jana Pyrek (international Marketing), Michael Treutler (Founder & CEO), Julia Balogh (international Business Affairs) und Jana Schütte (international Program)
Qualität statt Sparmodus
Beim Thema KI zeigt sich Parkum technologieoffen, aber künstlerisch klar positioniert. Intern wolle man „KI möglichst stark helfen lassen“, um mit der Komplexität internationaler Prozesse umzugehen. In der kreativen Umsetzung jedoch gelte ein anderer Maßstab. „Wir glauben, es ist eine hochgradige Kunst, dass ein:e Sprecher:in zehn Stunden Ihre Aufmerksamkeit hält.“ Deshalb arbeite man mit professionellen Schauspieler:innen und setze bewusst nicht auf synthetische Stimmen. Gerade bei hochwertiger Intellectual Property wie der von Michael Ende oder Sebastian Fitzek wolle man „nicht in irgendeinen Sparmodus gehen“, sondern „die besten Erlebnisse bauen“.
Ein Ausrufezeichen setzt Parkum jetzt mit einer Hörspielproduktion zu dem neuen Horror-Thriller „REM – Schlafen, Träumen, Sterben“ von Sebastian Fitzek und Annika Strauss in Kooperation mit Audible. Die Produktion erscheint als Audible Original in mehreren Sprachen und als Printbuch in Deutschland wie gewohnt bei Droemer Knaur.
