„Bestandteil moderner Wissenschaftskommunikation“
Warum der Fachverlag Nomos jetzt ins Audio-Geschäft einsteigt
Der Wissenschaftsverlag Nomos (Beck-Gruppe) ist auf Fachbücher und Fachzeitschriften in den Bereichen Recht, Geistes- & Sozialwissenschaften spezialisiert. Mit dem Einstieg in die Podcast-Plattform „kurzerklärt“ und dem Launch des Podcasts „recht:zeitig“ steigt der Fachverlag jetzt auch ins Audio-Geschäft ein. Geschäftsführer Thomas Gottlöber erläutert seine Strategie dahinter.

Published: 29.6.2026 | Foto / Video: Magnific
Wie sieht das Geschäftsmodell hinter der Podcast-Plattform „kurzerklärt“ aus, wie funktioniert die Monetarisierung?
Für uns steht zunächst der strategische Ausbau audiobasierter Fachinhalte im Vordergrund. Podcasts sind ein zusätzlicher Zugang zu wissenschaftlichen und juristischen Themen und stärken die Sichtbarkeit unserer Inhalte und Marken.
Die Monetarisierung erfolgt dabei perspektivisch über mehrere Ebenen: zum einen über Reichweite und Markenbildung für bestehende verlegerische Angebote, zum anderen über eigene Produktions- und Distributionsleistungen für externe Partner. Darüber hinaus sehen wir mittel- bis langfristig Potenzial in Sponsoring-Formaten, Kooperationen sowie in ergänzenden Premium- und Weiterbildungsangeboten.
Wichtig ist uns dabei, dass Audioformate nicht isoliert betrachtet werden, sondern als Bestandteil eines integrierten verlegerischen Angebots aus Fachbuch, digitaler Wissensplattform und neuen medialen Formaten.
Welche weiteren Themenwelten des Verlags sehen Sie für Audiostoffe in Form von Podcasts und/oder Hörbüchern vor? Ab wann ist da mit was zu rechnen?
Das juristische Umfeld ist für Podcasts besonders geeignet, weil viele Themen erklärungsbedürftig, aktuell und diskussionsorientiert sind. Gleichzeitig sehen wir aber auch in den Sozial-, Politik- und Geisteswissenschaften großes Potenzial für Audioformate. Sie werden in Kürze von unseren nächsten Formaten hören 😉….
Wurde für die professionelle Konzeption, Produktion und Distribution von Podcast-Formaten ein neues Team geschaffen bzw. neue Kompetenzen erworben oder wird das über „kurzerklärt“ abgewickelt?
Mit Sebastian Baur und Kourosh Semnani gewinnen wir zunächst genau die Expertise hinzu, die „kurzerklärt“ erfolgreich gemacht hat – also redaktionelle, konzeptionelle und produktionstechnische Kompetenz im Podcast-Bereich.
Gleichzeitig verstehen wir das Thema nicht als isoliertes Nebenprojekt, sondern als neuen Bestandteil moderner Wissenschaftskommunikation. Deshalb werden Audio-Kompetenzen künftig auch stärker innerhalb des Verlags aufgebaut und mit bestehenden digitalen und vertrieblichen Strukturen, aber auch mit dem Lektorat verzahnt. Ähnlich wie wir das schon sehr erfolgreich mit Astrid von Schweinitz bei unseren Webinaren machen.
Die Weiterentwicklung erfolgt also sowohl über das bestehende „kurzerklärt“ -Team als auch über die Integration zusätzlicher verlegerischer und technischer Kompetenzen innerhalb von Nomos.
Auf dem Weg zu integrierten Wissensanbietern
Gibt es bereits erste externe Kund:innen bzw. welche Zielgruppe adressieren Sie mit dem Angebot?
Ja, wir werden bald unser nächstes Format launchen, welches gemeinsam mit Partnern entsteht. Darüber hinaus sind wir im Austausch mit Partnern, die sehr an der Expertise interessiert sind. Wichtig ist uns, dass sowohl Inhalte als auch Partner zum verlegerischen Ansatz und Programm von Nomos passen.
Wie verändert diese Formatverschiebung die Arbeit von Fachverlagen wie Nomos? Sehen Sie ähnliche Beispiele bei der Konkurrenz?
Fachverlage entwickeln sich zunehmend von klassischen Buchverlagen zu integrierten Wissensanbietern. Nutzerinnen und Nutzer erwarten heute Inhalte nicht nur in Buchform, sondern flexibel, digital und situationsabhängig – also beispielsweise auch als Audioformat.
Das verändert nicht den Anspruch an Qualität oder wissenschaftliche Tiefe, wohl aber die Form der Vermittlung. Für Verlage bedeutet das, stärker multimedial zu denken und Inhalte plattformübergreifend aufzubereiten.
Auch andere Verlage und Medienhäuser investieren zunehmend in Podcasts und audiovisuelle Wissensformate. Im wissenschaftlichen Fachverlagsbereich sehen wir hier allerdings noch erhebliches Entwicklungspotenzial. Genau darin liegt für uns die Chance, frühzeitig Kompetenz und Reichweite in diesem Bereich aufzubauen.
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Thomas Gottlöber ist seit Juli 2020 Geschäftsführer des Nomos Verlags. Zuvor war er seit 2006 bei der Handelsblatt Media Group tätig und fungierte dort als Chief Operating Officer (COO). Als Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung der Mediengruppe leitete er die Bereiche Personal, Recht und Beteiligungsmanagement.
