2026 wird kein Jahr der neuen Tools. Es wird ein Jahr der neuen Entscheidungen.

Der Audio-Jahresausblick von Stephan Schreyer

Viele Medienhäuser starten ins neue Jahr mit der Frage, was sie als Nächstes ausprobieren sollten: Podcasts, KI, Social Video, neue Plattformen. Die eigentliche Frage lautet aber eine andere: Wofür stehen wir – und warum sollte uns überhaupt noch jemand zuhören?

Diese Frage ist unbequem. Sie lässt sich nicht mit einem Pitchdeck beantworten. Und schon gar nicht mit dem nächsten Tool-Launch. Sie zwingt zu Klarheit. Zu Haltung. Zu einer strategischen Entscheidung darüber, welche Rolle eine Marke im Leben der Menschen überhaupt spielen will.

In den vergangenen Jahren haben Medienunternehmen enorm investiert: in Technologie, Distribution, Reichweite. Gleichzeitig ist etwas verloren gegangen: die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen. Alles ist wichtig. Alles wird ausprobiert. Und genau dadurch wird vieles beliebig.

„Marke ist kein Logo“

Marke ist kein Logo. Marke ist ein Versprechen.
Und Strategie bedeutet nicht, möglichst viele Kanäle zu bespielen – sondern bewusst Dinge nicht zu tun.

Das gilt auch (und gerade) für Audio.

Podcasts, Sprachassistenten, Playlists oder Audio-Shorts sind keine Strategie. Sie sind Werkzeuge. Entscheidend ist nicht, ob ein Medium Audio macht, sondern warum. Gute Audioformate funktionieren nicht, weil sie produziert werden, sondern weil sie eine klare Rolle erfüllen: Nähe schaffen, Orientierung geben, Vertrauen aufbauen.

Die erfolgreichsten Formate sind selten die lautesten. Sie sind die klarsten.

Was viele Medienmarken 2026 lernen müssen: Aufmerksamkeit ist kein Ziel mehr. Beziehung ist es. Menschen abonnieren keine Inhalte – sie binden sich an Haltungen. Und diese Haltung muss sich in jedem Touchpoint widerspiegeln: im Text, im Tonfall, im Produktdesign, im Audio genauso wie im Video.

Das erfordert Mut. Denn echte Markenführung bedeutet auch, Zielgruppen loszulassen. Nicht für alle da zu sein. Nicht jedem Trend hinterherzulaufen. Sondern konsequent eine Linie zu verfolgen – selbst dann, wenn sie kurzfristig Reichweite kostet.

Warum Audio ein starker Hebel bei der Markenführung ist

Audio kann dabei ein enorm starker Hebel sein. Nicht, weil es hip ist, sondern weil es etwas kann, was viele andere Formate verloren haben: Zeit einfordern. Aufmerksamkeit bündeln. Vertrauen entstehen lassen. Aber nur dann, wenn es strategisch eingebettet ist – nicht als Zusatz, sondern als Ausdruck der Marke.

2026 wird entscheiden, welche Medienhäuser diesen Unterschied verstanden haben.
Zwischen Aktivität und Relevanz.
Zwischen Output und Wirkung.
Zwischen Lautstärke und Bedeutung.

Die gute Nachricht: Man braucht dafür keine neuen Tools.
 Nur eine klare Antwort auf eine alte Frage:
Wofür stehen wir – und warum sollte uns jemand zuhören?

FOTO_Stephan Schreyer

Stephan Schreyer ist Strategic Corporate Audio Advisor und einer der führenden Experten im Corporate-Audio Bereich. Mit seiner Audio-Beratung unterstützt er Unternehmen und Marken dabei, Audio strategisch und erfolgreich zu nutzen. Darüber hinaus ist er Co-Founder der Audio Brand Partner, einer Allianz für Corporate Audio Lösungen zwischen Scholz & Friends Sounds, der Digitalagentur TBO und ihm.