„Tiger“-Gründer Till Weitendorf über die jüngsten Zielgruppen im Audiomarkt und ihre Bedürfnisse
„Das Bedürfnis nach sicheren Angeboten ist stark gewachsen“
Foto/Video: Aaron Leithäuser
Mit zwei neuen Finanz- und Entwicklungspartnern an Bord sucht Tiger Media, auf der Basis eines schon jetzt zweistelligen Millionenumsatzes, eine neue Wachstumsphase einzuleiten. Inmitten eines mehr als gut besetzten Marktes von Kinder-Entertainment und mit traditionellen Rechtegebern im Rücken besetzt das Unternehmen das Segment dedizierter Hardware-Produkte für Kinder verschiedener Altersgruppen. Im November2025 rundete sie ihr Angebot auf die Altersgruppe Ü 3 ab.
Till Weitendorf, einer der Gründer und Geschäftsführer, erklärt im Interview, warum der Einstieg von Edel und den Gebrüdern Wack für diese ein gutes Geschäft ist.
Was hat Sie persönlich am meisten überrascht in der Entwicklung des Kinderaudio-Marktes in den letzten Jahren?
Überrascht bin ich weniger, vielmehr ist vieles von dem eingetreten, was wir antizipiert haben. Insbesondere die Bedürfnisse von Kindern haben sich klar verändert: Klassisches Fernsehen, CDs und Einzelmedien verlieren an Bedeutung. Kinder wollen selbst entscheiden und erwarten eine ähnliche Vielfalt wie Erwachsene, Streamingdienste treiben das Thema. Gleichzeitig sehen wir bei aktuellen Diskussionen über Spotify oder sogar Instagram, wie stark Eltern zwischen Übervorsicht und erstaunlicher Sorglosigkeit schwanken. Das Bedürfnis nach Orientierung, altersgerechter Kontrolle und sicheren, qualitativ hochwertigen Angeboten ist stark gewachsen. Diese Kombination – hohe Erwartung auf Nutzerseite und große Verantwortung auf Anbieterseite – prägt den Markt heute und ist der Grund, warum die Tigerboxen so erfolgreich sind. Denn genau auf diese Fragen finden die Eltern bei uns die Antworten.
30 % Wachstum – reicht das?
Sie hatten 2024 über 30 % Umsatzwachstum, auch 2025 wird es in diesem Bereich liegen – das klingt danach, als hätten Sie einen Lauf. Aber reicht das aus in diesem dynamischen Markt mit sehr großen und aggressiv auftretenden Mitbewerbern?
Wachstum allein reicht nicht. Entscheidend ist, wie es zustande kommt. Unser Erfolg basiert auf einer Kombination aus Hardware, Plattform und Inhalten, die wir über Jahre konsequent aufgebaut haben. Wichtig sind uns dabei Profitabilitäts-Perspektive und nachhaltige Kundenbindung – nicht kurzfristige Effekte. In einem dynamischen Markt geht es weniger um Tempo um jeden Preis, sondern um Skalierbarkeit, Produktqualität und Vertrauen bei Familien. Darauf zahlen unsere strategischen Entscheidungen und die Struktur unseres Geschäftsmodells ein.
Was macht Edel und die Gebrüder Wack für Sie zu den richtigen strategischen Partnern – im Unterschied zu reinen Finanzinvestoren?
Beide Partner bringen neben Kapital vor allem unternehmerische Erfahrung, Branchenkenntnis und Netzwerke mit. Edel verfügt über eine enorme Kompetenz im Content-Bereich und in der Verwertung von Medienmarken, die für uns strategisch sehr wertvoll ist. Die Gebrüder Wack wiederum stehen für unternehmerisches Denken, Technologieverständnis und langfristige Perspektiven. Uns war wichtig, Gesellschafter zu gewinnen, die unser Geschäftsmodell verstehen und aktiv mitdenken.

Die Tigerbox Mini
Offenes, kuratiertes Streamingmodell statt physisches Sammelkonzept
Tiger Media hat im Kinderaudio-Segment eine starke Position aufgebaut. Welche strategischen Entscheidungen waren rückblickend die wichtigsten, um sich gegen den Branchenprimus Tonie zu behaupten?
Wir haben uns eigentlich nie im direkten Wettbewerb mit den Tonies gesehen. Ihr Konzept funktioniert für die Kleinsten wirklich sehr gut, stößt aber schnell an Grenzen, wenn Kinder mehr Vielfalt wollen – oder es wird teuer. Deshalb haben wir früh einen anderen Weg gewählt und auf ein offenes, kuratiertes Streamingmodell statt auf ein rein physisches Sammelkonzept gesetzt. Mit Tigertones haben wir eine kindgerechte Streaming-Plattform geschaffen, die kontinuierlich wächst und unterschiedlichste Inhalte abbilden kann. Gleichzeitig haben wir mit der Tigerbox eine spannende Hardware entwickelt, die bewusst einfach, kindgerecht und doch komplett elterngesteuert ist. Diese Kombination unterscheidet uns klar und hat sich langfristig als richtig erwiesen.
Die Tigerbox „Mini“ ist frisch auf dem Markt. Welche strategische Lücke schließen Sie damit?
Die Tigerbox „Mini“ richtet sich gezielt an jüngere Kinder ab etwa drei Jahren und ihre Familien. Wir haben gemerkt, dass viele Eltern sich ein besonders niedrigschwelliges, robustes und intuitives Einstiegsgerät wünschen. Mit dem reduzierten Bedienkonzept und der Routinen-Funktion schließt die Mini genau diese Lücke zwischen klassischem Spielzeug und digitalem Medium. Strategisch erweitert sie unser Ökosystem nach unten und begleitet Familien ideal beim ersten Kontakt mit digitalen Audio-Angeboten.
Wettbewerber und Geschäftsmodelle
Wenn Sie an erfolgreiche Medien-Plattformen im DACH-Raum denken – welches Geschäftsmodell inspiriert Sie besonders für Ihre eigene Strategie?
Mich inspirieren vor allem Plattformen, die es geschafft haben, ein stabiles Abo-Modell mit hoher inhaltlicher Qualität zu verbinden und gleichzeitig technologische Exzellenz zu liefern. Wichtig ist dabei weniger die Branche als die Fähigkeit, Nutzer langfristig zu binden und kontinuierlich Mehrwert zu schaffen. Für uns bedeutet das: stetige Weiterentwicklung der Plattform, kluge Personalisierung und einen sehr verantwortungsvollen Umgang mit Daten und Zielgruppen.
Beabsichtigen Sie mit frischem Geld und einem Technikpartner direkt in Ihrem Board einen Großangriff auf Tonies?
Nein, wir denken nicht in Begriffen wie „Großangriff“. Unser Fokus liegt darauf, unser eigenes Produkt- und Plattformangebot weiter zu verbessern und auszubauen. Wettbewerb gehört zum Markt, aber wir definieren Erfolg nicht darüber, andere zu verdrängen, sondern darüber, für Familien das beste Gesamterlebnis zu schaffen. Die neuen Partner helfen uns dabei, schneller und fundierter zu entscheiden – nicht aggressiver um jeden Preis zu agieren.

Till Weitendorf (LinkedIn-Profilseite) ist geschäftsführender Gesellschafter und Mitgründer der Tiger Media International GmbH mit Sitz in Hamburg. Das Unternehmen hat sich als führender Anbieter digitaler Audioerlebnisse für Kinder etabliert und betreibt mit Tigertones die nach eigenen Angaben größte Audio-Streamingplattform für Kinder in Europa. Zu den weiteren Produkten gehören die Tigerbox „Touch“, die Kinderkopfhörer „Tigerbuddies“, die im Herbst 2025 lancierte Tigerbox „Mini“ sowie Tigercards (dedizierte Datenträger). Weitendorf verantwortet die strategische Ausrichtung des Unternehmens, das 2024 ein Umsatzwachstum von deutlich über 30 Prozent erzielte und auch dieses Jahr dieses Wachstum verzeichnet. Im September 2025 gewann Tiger Media mit Edel und den Gebrüdern Wack zwei neue strategische Gesellschafter, die einen mittleren siebenstelligen Betrag investierten.
